Nur die Reichweite?

Das Problem bei der Akzeptanz von elektrisch betriebenen Motorrädern könnte größer sein als gedacht. So wurden in der Vergangenheit gerne die Reichweite und die zu hohen Kosten als Grund für die geringe Nachfrage ausgemacht. Bei der diesjährigen Motorradmesse EICMA in Italien traten jedoch noch weitere Vorbehalte zutage, die viel weitreichender sind.

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Die Maxime der Höchstleistung

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Der Entwicklungschef von BMW Motorrad gab in einem Interview zu verstehen, dass es sich bei einem Motorrad um ein reines Luxusprodukt handelt, das im Grunde ohne jeden praktischen Nutzen ist. Es dient ausschließlich der Unterhaltung des Fahrers. Eine ehrliche und offene Einschätzung, wie wir finden, denn anders als die kleinen City-Flitzer, zu denen auch die Scooter gehören, sprechen die schweren Motorräder eine ganz andere Käuferschicht an.

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Diese Käuferschicht verfolgt beim Zweiradkauf ganz andere Ziele und ist daher mit ökologisch-korrekten Modellen kaum zu gewinnen. Honda hat dies bei der EICMA mit ihrer neuen „Fireblade RRR“ verdeutlicht. Über Jahre hat sich Honda bei seinen Zweirädern auf sparsame Motoren fokussiert, doch damit ist es wieder vorbei. Die Käufer verlangen Höchstleistung, der Markt bietet es und hat Honda damit unter Zugzwang gesetzt. Die Fireblade gehört zu den Krafträdern, die eine Leistung von über 200 PS haben.

Triumph, KTM und auch BMW lassen sich nicht lumpen

Der englische Motorradhersteller Triumph präsentierte stolz seine neue „Rocket 3R“ mit einem 2,5-Liter-Motor und über 220 Newtonmetern Drehmoment, damit ist er der größte und stärkste Serienmotorradmotor der Welt. Bei KTM heißt das neue Top-Modell „The Beast“. Die Fahrzeugdaten bestätigen, dass es diesen Namen zu Recht trägt. Gleiches gilt für die neuen Modelle bei Kawasaki oder BMW.

Kawasaki muss man aber an dieser Stelle zugute halten, dass sie zumindest einen elektrifizierten Prototypen im Gepäck hatten. Dieser war zwar nicht fahrbereit, sorgte aber trotzdem für Gesprächsstoff.

Beim Elektroantrieb dominieren die Kleinen

Es ist bei der EICMA ein ähnliches Phänomen auf dem Motorradmarkt zu beobachten wie auf dem Automarkt, auf dem mit Tesla ein Klein-Hersteller die Großen vor sich hertreibt. So manche Studie erweckte den Eindruck, dass auch Elektromobilität Spaß machen kann und hoch-emotionale Fahrzeuge bietet. Die eher unbekannten Hersteller schickten ihre E-Motorräder auf der Messe ins Rennen, insbesondere die bereits erwähnten Hersteller von Scootern haben tolle Produkte im Angebot, die Hoffnung auf mehr machen. Das schwedische Unternehmen Vassla.com/de/ setzte konsequent auf elektrischen Vortrieb und konnte das Fachpublikum damit begeistern. Der Weg in den Handel ist ebenfalls bei Vassla vorgezeichnet und wir dürfen die kleinen Schweden-Flitzer künftig wohl in unseren Städten sehen.

Dadurch entsteht ein gewaltiger Vorteil, denn Vassla kann jetzt wichtige Erfahrungen sammeln, die dann künftige Modelle noch besser machen werden. Erfahrungen, die die großen Hersteller erst noch machen müssen. Die jetzige Zeit ist perfekt, um solche Erfahrungen zu sammeln, da von Kunden und der Öffentlichkeit Fehler verziehen werden. Dies geht natürlich nicht ewig, irgendwann erwartet der Kunde vom E-Antrieb einen gewissen Komfort und eine hohe Praxistauglichkeit. Wer dann erst anfangen muss, kann schnell ins Hintertreffen geraten.

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